Die märchenhafte Kraft der zwei Herzen

Als im Jahre 1772 Anna Amalia von Sachsen-Anhalt zur Erziehung ihrer beiden Söhne Unterstützung benötigte, berief die verwitwete Herzogin den Dichter, Lehrer und Schriftsteller Christoph Martin Wieland nach Weimar.
Wieland, eher ein Freund der Aufklärung weniger des Absolutismus, erhörte den Ruf der Adelsdame. Nicht zuletzt, weil ihn die Aufgabe reizte, durch seine Erziehung den zukünftigen Adel beeinflussen zu können. Zudem bekam er Zutritt zum Weimarer Kreis, einem HotSpot der damaligen Dichter- und Denker-Szene. Goethe und so – Sie wissen schon…
Diese neue kommode Lebenssituation inspirierte Wieland zu allerlei poetischen Geschichten. Märchenhafte Wesen tummeln sich darin, vereint mit der Natur, tugendhaft, genügsam und liebevoll. Eine Idylle, die sich immer wieder durch Hexen, Magier, Zauberer oder böse Königinnen bedroht sieht, doch mit der Kraft der reinen Herzen und dem Glauben an die Liebe bewahrt werden kann.


Gespickt mit all diesen klassischen Komponenten ist denn auch die hochromantische Geschichte von „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ aus Wielands Sammlung der „auserlesenen Feen- und Geistermärchen“.  Eine lupenreine „boy meets girl“-Story, die vor über 200 Jahren genauso funktionierte wie heute.

Ruby O. Fee zu Weihnachten 2016 im Ersten - "Prinz Himmelblau und Fee Lupine"

Erinnerungen ans Kreiswehrersatzamt

Juristisch bestehen keine Zweifel, dass für den Angeklagten Lars Koch das Urteil "schuldig" lauten muss. In der Ferdinand von Schirach-Verfilmung "Terror - Ihr Urteil" spielt Florian David Fitz den Bundeswehr-Piloten, der sich verantworten muss, ein Flugzeug abgeschossen und so den Tod von 164 Menschen verursacht zu haben.
Die Entscheidung, die er allein treffen musste, lautete: entweder der Abschuss des Flugzeugs und der Tod der Passagiere - oder die von Terroristen entführte Maschine in ein vollbesetztes Fußballstadion abstürzen zu lassen.
Etwas ältere männliche Fernsehzuschauer werden sich mit Grauen an ihre Verhandlungen in den Kreiswehrersatzämtern der Republik erinnern, als ihnen von dreiköpfigen Ausschüssen schneidende Fragen ähnlichen zweifelhaften Charakters gestellt wurden. Beispiel: Zwei vollbesetzte Züge rollen aufeinander zu, nur Sie an der Weiche können den Aufprall und den Tod aller vermeiden, nehmen aber in Kauf, dass einer dieser Züge in einen Abgrund stürzt. Was tun Sie?
Diesen Unsinn konnte niemand beantworten. Diesen Unsinn sollte auch niemand beantworten. Damals ging es schlicht um die Quote an Wehrdienst- oder Zivildienstleistenden.

In der mit Burghard Klaußner, Martina Gedeck, Jördis Triebel, Ulrich Bock, Lars Eidinger und eben Fitz hervorragend besetzten TV-Produktion geht es darüberhinaus um die Fragen von Recht und Moral - und so ganz nebenbei auch um ein Fernsehspektakel mit anschließender Möglichkeit des Online-Votings und der Auflösung in "hart aber fair".
Einen solchen Entscheidungsprozess hätten sich die Kriegsdienstverweigerer jener Tage auch gewünscht, als es "hart und nicht fair" zuging.


Florian David Fitz über "Terror - Ihr Urteil" - Montag 17. Oktober 2016

Die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft unserer Arbeit ist zweifelsohne mit Schlagworten wie Digitalisierung und Globalisierung verbunden. Kein Wunder, dass sich die Themenwoche der ARD im Fernsehen, Hörfunk und Online im Wesentlichen mit diesen Aspekten beschäftigt, so gleich zu Beginn mit dem Radio Bremen-Tatort "Echolot".

Wesentlich für die meisten Menschen ist in Zukunft jedoch, überhaupt eine Arbeit zu haben. Durch die Umwälzungen in der Gesellschaft, befeuert durch allerlei digitalisierte Unterstützung, hat sich die Arbeitswelt elementar verändert. Dass sich diese Veränderungen negativ auf die Beschäftigten landauf landab auswirken, dass Arbeitsplätze abgebaut werden, Regionen ausbluten und ganze Industrie- und Handelszweige aussterben liegt ja nicht im Wesenskern einer Digitalisierung.
Die negativen Auswirkungen  sind wohl eher im Wesenskern derjenigen zu finden, die den Profit orientierten Nutzen der zunehmenden Digitalisierung erkannt haben. Da hilft auch keine Digitalisierung der Beratung bei der Agentur für Arbeit.

Die Fragen, die mit der "Zukunft der Arbeit" verbunden sind, werden innerhalb der ARD-Themenwoche 2016 vielfältig angeschnitten. Endgültig beantworten lassen sich die meisten Fragen mit Sicherheit erst in der Zukunft. Doch wie heißt es so schön: "Die Zukunft hat schon längst begonnen".

Sabine Postel, Oliver Mommsen - Tatort "Echolot", Sonntag 30. Okt. 2016