Klassentreffen

Jan Georg Schütte hat es wieder getan: der gebürtige Oldenburger Schauspieler, Autor und Regisseur hat einen Cast um sich versammelt, mit allen Schauspielern mehrere Tage das Thema und die Beschreibung der Figuren gebüffelt, unzähligen Technikern und Komparsen in Probeläufen alles haarklein erläutert und am Ende aus 7800 Minuten Rohmaterial einen 90 Minuten gefilmt geschnitten.

Ähnlich wie bei "Altersglühen" oder "Wellness für Paare" konnte Schütte dabei auf eine Ansammlung Darsteller in bester Form bauen - und mit Impro kennt er sich ja schließlich aus.

Das Ergebnis ist großartig. Humorvoll und tragisch, oberflächlich und tief, böse und nett. All die Gegensätze des Lebens, so wie sie jeden Tag aufeinanderprallen, finden sich auch in diesem Film. Kein Wunder: handelt es sich doch um ein Klassentreffen. 25 Jahre nach Schulschluss.

Weil die meisten von uns diese Veranstaltungen kennen bzw. mitgemacht haben, lässt sich all die Fremdscham, der Schmerz und das Mitleid kaum ertragen. Außer mit Humor!


Audio TV-Tipp Klassentreffen
6. März 2019 im Ersten

Charité

Die neue Staffel "Charité" wendet sich einem ganz besonders skrupellosen Kapitel der deutschen Geschichte zu - den sog. "Reichsausschusskindern". Dahinter steckte das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten, das das gezielte Töten "lebensunwerten Lebens" zum Ziel hatte.

Allein darüber zu schreiben und dieses Vokabular zu nutzen ist unangenehm. Es klingt so sinnlos, asozial, Menschen verachtend. Doch so wollte es das System und nicht wenige haben mitgemacht. Darunter viele Ärzte - auch an der Berliner Charité.

Chef des Krankenhauses war in der Zeit des Nationalsozialismus Professor Doktor Ferdinand Sauerbruch. Eine zwiespältige Persönlichkeit in seiner Beziehung zum herrschenden System, die in der sechsteiligen Reihe von Ulrich Noethen dargestellt wird. Noethen macht das mit all der Klasse, die diesen Schauspieler auszeichnet; was allein sehenswert ist.


Audio TV-Tipp Charité 2. Staffel
ab 19. Februar 2019 im Ersten

Schweinemäßig nervige Probleme


Die italienische Sendereihe "Rocco Schiavone" ist eine echte Entdeckung!
Marco Giallini spielt den Vice-Questore Schiavone, der aus disziplinarischen Gründen aus Rom in das Aoste-Tal mitten hinein in die Alpen versetzt wird. Daher auch der etwas umständliche deutsche Titel "Der Kommissar und die Alpen", unter dem einzelne Fälle erzählt werden - mitunter durchschnittliche Krimiware.

Aber der Typ macht Spaß, wenn  man es ein bisschen böse mag. "Dr. House"-Fans werden also ihr Vergnügen haben.


Audio TV-Tipp Der Kommissar und die Alpen

Lotte aus Weimar

1816 reiste die verwitwete und gealterte Charlotte Sophie Henriette Buff mit einer Postkutsche nach Weimar, in der Hoffnung, nach vielen Jahren dem alten Dichter Goethe erneut zu begegnen. Thomas Mann erzählt hiervon heiter und beschwingt in seinem Roman "Lotte in Weimar".

Die Lotte, um die es hier geht, ist eine junge Frau, die mehr als einhundert Jahre später bereits in Weimar lebt. Sie ist ebenso erfüllt von Hoffnung - ihre Liebe gehört jedoch dem "Bauhaus".

Drehbuch und Regie haben sich für diesen Film, anlässlich des 100. Gründungstages der Kunstschule, einen hübschen Kniff einfallen lassen und in die fiktive Figur Lotte (aus Weimar) mehrere historische Frauen und deren Bauhaus-Vergangenheit hineingedichtet. Ganz Goethe eben.

Toller Film!

Bitte auch unbedingt die anschließende Dokumentation "Die Bauhausfrauen" schauen!



Audio TV-Tipp Lotte am Bauhaus/Die Bauhausfrauen
13. Februar 2019 im Ersten